Früherkennung weiterdenken: Lungenkrebs

Erst seit Kurzem gibt es in Deutschland ein CT-Screening für langjährige Raucherinnen und Raucher. Der Epidemiologe Prof. Rudolf Kaaks erklärt, warum Berechtigte das Angebot oft nicht kennen und warum die regelmäßige Teilnahme an der Untersuchung wichtig ist.

Herr Prof. Kaaks, das Lungenkrebs-Screening für starke Raucher ist das neueste Angebot zur Krebsfrüherkennung der gesetzlichen Krankenkassen. Es wurde erst zum April 2026 eingeführt. Im Gegensatz zu den anderen Krebs-Screenings sind die Zulassungskriterien komplizierter: Wer teilnehmen möchte, muss nicht nur ein bestimmtes Alter erreicht haben, sondern auch ein bestimmtes Rauchverhalten nachweisen können. Verstehen diejenigen, die es betrifft, dass sie Anspruch auf die Untersuchung haben?

Gerade Menschen, die viel rauchen, sind oft nicht sehr gesundheitsbewusst und nicht sehr informiert über Gesundheitsangebote. Es ist zu befürchten, dass viele von ihnen nicht über diese Möglichkeit der Früherkennung informiert sind. In Studien, die wir im Raum Mannheim/Ludwigshafen durchgeführt haben, hat sich gezeigt: In sozioökonomisch am schlechtesten gestellten Vierteln, wo die Lungenkrebsinzidenz oft am höchsten ist, war die Beteiligung an Studien zur Lungenkrebs-Früherkennung am geringsten. Raucherinnen gehen übrigens auch seltener zur Mammographie. Es kommt beides zusammen: mangelnde Information, aber auch mangelndes Interesse.

 

Für eine Teilnahme am Screening braucht man eine Überweisung, z.B. vom Hausarzt. Fragen die Ärzte ihre Patienten systematisch zum Rauchverhalten und ermutigen sie, am Screening teilzunehmen?

Vielleicht machen das einzelne Ärzte. Aber die Aufklärung über das Screening ist zeitaufwendig und wird nur sehr gering vergütet. Von daher steht zu befürchten, dass das nicht allzu häufig passiert.

 

Bei anderen Krebsarten kann ein systematisches, einladungsbasiertes Screening helfen, die Teilnahmeraten zu steigern. Wie ließe sich das beim Lungenkrebs umsetzten, das ja eine ganz bestimmte „Raucherkarriere“ voraussetzt? 

Vorstellbar wäre, dass jeder mit dem Beginn des Screening-Alters Informationsmaterial und eine Einladung erhält, online einen Fragebogen zum Rauchverhalten auszufüllen. Entspricht die Rauchanamnese den Eignungskriterien für das Lungenkrebs-Screening, könnte die Person die Aufforderung erhalten, sich wegen eines möglichen Screenings an den Hausarzt zu wenden. Das würde den Aufwand für den Arzt verringern. Der Gesetzgeber sieht vor, dass ein Arzt zwischengeschaltet werden muss und das ist auch sinnvoll: Neben der Aufklärung muss er auch den allgemeinen Gesundheitszustand beurteilen. Manche starken Raucher sind bereits sehr krank, leiden etwa unter COPD, und haben eine geringe verbleibende Lebenserwartung. In solchen Fällen ist ein Screening nicht mehr sinnvoll.

"Organisiert" und "systematisch" sind die Zauberworte

Prof. Dr. Rudolf Kaaks

Damit das Lungenkrebs-Screening seine Wirksamkeit entfalten kann, sollte die CT-Untersuchung regelmäßig, z.B. einmal pro Jahr, stattfinden. Warum das?

Wir sehen leider die Gefahr, dass oft nur die Erstuntersuchung wahrgenommen wird. Das ist besonders ungünstig, denn das Screening ist gerade im zeitlichen Verlauf wirksam, wenn die Niedrigdosis-CTs über die Zeit miteinander verglichen und verdächtige Läsionen mitverfolgt werden können. Die Spezifität der Untersuchungsergebnisse steigt mit der Anzahl der Untersuchungen. Und die Wahrscheinlichkeit steigt, dass Tumoren in sehr frühen Stadien entdeckt werden, die noch gut zu behandeln sind. Ob es tatsächlich jedes Jahr ein CT braucht oder ob bei vielen Personen auch zweijährige Abstände ausreichen, wird gerade geprüft, unter anderem am DKFZ.

 

Wie ließe sich erreichen, dass Studienteilnehmer nach der Erstuntersuchung bei der Stange bleiben?

Leider ist gesetzlich kein Mechanismus vorgesehen, die Teilnehmer automatisch erneut einzuladen. Möglicherweise übernehmen das aber die teilnehmenden radiologischen Praxen aus Eigeninteresse. Außerdem brauchen die Screening-Teilnehmer jedes Mal auf neue eine Überweisung. Das ist leider eine weitere Hürde.

 

In Kürze: Was sollte man bessermachen?

Damit wir aus den Ergebnissen etwas lernen und die Wirksamkeit der Früherkennungsmaßnahme nach einigen Jahren beurteilen können, sollte das Screening unbedingt als organisiertes Programm angeboten werden, vergleichbar dem heutigen Mammographie-Screening. Und die wenigen, die spontan kommen, sollten unbedingt systematisch regelmäßig einbestellt werden. „Organisiert“ und „systematisch“ sind die Zauberworte. Aber ganz klar, so ein Programm kostet Geld!

 

Prof. Dr. Rudolf Kaaks leitete bis Juli 2026 die Abteilung Epidemiologie von Krebserkrankungen im Deutschen Krebsforschungszentrum

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